5 wichtige Punkte zum Umstieg auf All-IP

By | 15. März 2016

Bis Ende 2018 will die Deutsche Telekom alle Kunden auf IP-Telefonie umstellen. Viele Unternehmen sehen diese Migration mit Sorge, nicht zuletzt, weil oft falsche Vorstellungen über die Schwierigkeiten beim Umstieg bestehen. Ich stelle Ihnen die wichtigsten Punkte zur All-IP-Migration vor und erkläre, was es mit ihnen auf sich hat.

1. Mit dem Umstieg auf All-IP haben ISDN-Endgeräte und -TK-Anlagen nur noch Schrottwert
Richtig ist: ISDN-Equipment lässt sich bis auf Weiteres über Gateways und Router auch an einem IP-Anschluss betreiben. Dennoch ist dies keine zukunftsfähige Lösung und nur für eine Übergangszeit ratsam, etwa bei lang laufenden Leasingverträgen oder Abschreibungsfristen. Sämtliche ISDN-Geräte sind Auslaufmodelle, eine Weiterentwicklung gibt es nicht.
Auch Ersatzteile werden langsam knapp, so dass bei einem Ausfall der Weiterbetrieb gefährdet ist. Doch nicht nur die Technik verschwindet langsam, auch die Menschen, die sich mit ISDN auskennen, werden immer weniger. Techniker und Ingenieure gehen in Rente, Nachwuchs mit vertieften ISDN-Kenntnissen wird nirgends mehr ausgebildet.
Bestehen Sie darauf, Ihr ISDN-Equipment weiter betreiben zu wollen, weisen wir Sie auf diese Tatsachen hin, und erarbeiten mit Ihnen einen langfristigen Migrationspfad. An vielen aktuellen Routern und Hybrid-TK-Anlagen lassen sich sowohl ISDN- als auch IP-Telefone benutzen. Dies ermöglicht einen sanften Umstieg auf All-IP.

2. Das größte Problem beim Umstieg auf All-IP ist das Fax
Richtig ist: Mit dem Protokoll T.38 bieten die meisten Netzbetreiber eine Fax-Over-IP-Lösung an. Zwar gibt es hier und da Probleme mit Faxgeräten, grundsätzlich funktionieren Faxe der Klasse 3 aber, wenn auch teilweise nur mit reduzierten 9,6 kBaud. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann sein herkömmliches Faxgerät auch mittels Analogadapter an einem IP-Anschluss weiter betreiben. Für Kunden mit wenig Faxaufkommen genügt in der Regel auch ein Webfax-Dienst.
Große Probleme können dagegen andere Geräte wie Alarmanlagen, Notrufe in Aufzügen, Türfreisprecheinrichtungen, Frankiermaschinen oder Kartenterminals machen. Sie verwenden für die Signalisierung zum Teil sogenannte parasitäre Protokolle, die eigentlich gar nicht für die Kommunikation im ISDN-Netz gedacht waren, sondern nur für die Signalisierung. In diesem Fall ist ein Anschluss an ein IP-Netz über einen Adapter praktisch ausgeschlossen. Die komplette Infrastruktur muss dann ersetzt werden.
Vor dem Umstieg Sie deshalb genauestens alle Geräte inventarisieren, die – und sei es nur gelegentlich – über das Telefonnetz kommunizieren.

3. VoIP ist weniger sicher als ISDN
Richtig ist: Die Kommunikation über IP lässt sich verschlüsselt und sicher übertragen. Sie ist damit nicht weniger sicher als ein Gespräch über ISDN. Von Billiganbietern abgesehen, vermitteln alle Provider den Sprachverkehr über ein eigenes Sprach-IP-Netz und nicht über das öffentliche Internet. Damit sind solche Anschlüsse mindestens genauso abhörgeschützt wie ISDN.
Zusätzlich lässt sich Signalisierung per TLS (Transport Layer Security) absichern. Die Inhalte des Gesprächs können über das Secure Realtime Protocol (SRTP) verschlüsselt werden. Je nach Anbindung erfolgt die Authentifizierung über eine feste IP-Adresse oder über ein Log-in mit Name und Passwort. Besonders die sogenannte Fix-IP-Authentifizierung schützt sehr sicher vor Missbrauch.
Ein Sicherheitsproblem können allerdings die TK-Anlagen darstellen – und das gilt nicht nur für die IP-Varianten. Auch im ISDN-Zeitalter waren die Geräte von außen erreichbar, um beispielsweise Wartung oder Konfiguration aus der Ferne durchführen zu können. Diese Zugänge waren oft mehr schlecht als recht abgesichert – und sind dies noch heute. In der All-IP-Ära kommt allerdings ein weiteres Problem hinzu. Die Firmware der meisten IP-TK-Anlagen basiert auf Linux-ähnlichen Betriebssystemen, sie ist deshalb wie jede Software prinzipiell durch Hacker angreifbar. Im Jahr 2014 machte beispielsweise eine Sicherheitslücke in der Fritz!Box-Firmware Schlagzeilen, die es Kriminellen ermöglichte, Gespräche zu Premiumdiensten und Auslandnummern aufzubauen und so bei den Betroffenen hohe Telefonrechnungen zu erzeugen.
Wir informieren Sie über die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen, zu denen starke Passwörter für Fernzugänge und eine regelmäßige Firmware-Aktualisierung gehören. Für die Fernwartung sollten Sie sich an den Empfehlungen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) orientieren, die im Maßnahmenkatalog M5 in den Abschnitten M5.14 beziehungsweise M5.15 zu finden sind.

4. 2018 ist endgültig Schluss mit ISDN
Richtig ist: Einige Betreiber haben bereits angekündigt, ISDN auch nach 2018 weiter zu unterstützen, so wollen zum Beispiel EWE Tel, Versatel und M-Net mindestens bis 2020 noch ISDN anbieten, Vodafone sogar bis 2022. Andere, beispielsweise O2, ermöglichen den dauerhaften Betrieb von ISDN-TK-Anlagen an IP-Anschlüssen (Voice Access ISDN).
Dennoch gilt natürlich auch hier das bereits oben Gesagte: ISDN ist ein Auslaufmodell, wer unbedingt will, kann sich durch einen Wechsel zu einem der erwähnten Anbieter noch ein paar Jahre Schonfrist kaufen. Mittelfristig wird aber niemand um den Umstieg auf All-IP herumkommen.

5. Mit dem Umstieg kann ich mir noch Zeit lassen
Richtig ist: Jedes Unternehmen sollte schnellstmöglich mit der Migrationsplanung beginnen. 2018 wird es aufgrund der großen Nachfrage zu Engpässen bei Equipment, Servicetechnikern und Dienstleistern kommen. Auch bleibt dann keine Zeit mehr, Problemfälle in Ruhe zu analysieren und zu lösen.
Wir sollten möglichst bald Kontakt aufnehmen und in die konkrete Planung einsteigen. Für 2017 es ist in der Regel schon zu spät, da Budget- und Personalplanung abgeschlossen sind. Spätestens im kommenden Jahr sollten Sie aber alle Ihre Ressourcen für die Migration allokieren – oder zumindest einen Plan B in der Tasche haben, wie den unter 4. skizzierten Wechsel zu einem Anbieter, der ISDN noch länger unterstützt.

Quelle:
Channelpartner.de